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20.04.2013 Alter: 5 yrs
Von: Martha Rave, 11BF06

Praktikum im Ausland – Erfahrungsbericht einer
WBS-Schülerin

Martha Rave gibt Tipps für die Bewerbung.


EU geförderte Programme leisten Unterstützung bei einem Auslandsaufenthalt während der Ausbildung.

 

Martha Rave, Auszubildende zur Maßschneiderin im 2. Ausbildungsjahr, absolvierte vom 25. März bis zum 19. April 2013 ein vierwöchiges Praktikum bei dem Bekleidungshersteller Marimekko [Link] in Helsinki, Finnland.

 

Mein Auslandsaufenthalt während der Ausbildung:

Ein Auslandspraktikum kann ich nur empfehlen. Es ist eine tolle Erfahrung. Man muss einfach irgendwie Lust dazu verspüren. Alles andere wird dann schon. Wenn man nicht weiß, wie man einen Praktikumsplatz finden soll, kann man einen Lehrer fragen. Oder man schaut schon mal im Urlaub, spricht die Leute dort direkt an und tauscht Kontaktadressen aus. 

Bei der Sprache braucht man sich auch keine Gedanken machen. Mein Englisch ist auch nicht so gut. Ich war in Finnland und kann kein Wort finnisch. Dort sprechen auch nicht alles so super englisch. Aber das ist das tolle bei einer praktischen Ausbildung. Man kann viel zeigen, und irgendwie versteht man sich doch durch Gestik, Mimik und Betonung.

Vier Wochen gehen auch schneller rum, als man denkt. Man kann viel erleben mit und ohne viel Geld. Und das tollste an einem Praktikum im Ausland ist, dass man das Land richtig kennen lernt. Man lernt die Art der Leute kennen, deren Mentalität. Das kriegt man nie so mit als Tourist. Und das wird mir auch meisten in Erinnerung bleiben. Mehr als die schöne Kirche oder das Meer. Ich nehme ein Gefühl von Finnland mit und das ist ein sehr gutes. Deswegen mag ich Finnland. Schöne Städte sieht man überall auf der Welt. Aber wie sie sich bei Marimekko in Helsinki um mich gekümmert haben, war schon einzigartig.

Wie komme ich ins Ausland?

Wenn ihr euch entscheidet, ein Praktikum im Ausland zu machen und euch um ein Stipendium zu bewerben, solltet ihr euch erst einmal klar darüber werden, für welche Form ihr euch bei Arbeit und Leben (Arbeit und Leben ist die Einrichtung, die euch das Stipendium vergibt) bewerben wollt. Es gibt drei Stück: die Berufsfelderkundung, ein Praktikum oder ein Praktikum als Freemover. 

  • Berufsfelderkundung – Bei der Berufsfelderkundung geht man für vier Wochen ins Ausland und arbeitet an einem berufsbezogenen Thema. Gemeinsam mit Arbeit und Leben entwickelt ihr ein Thema, das zu eurem Beruf und euren Interessen passt. Man ist dann im Ausland mit dieser Aufgabenstellung beschäftigt, muss Interviews führen, einen Film drehen o.ä. Am Ende gibt man dann sein Ergebnis dazu ab. 
  • Praktikum – Bei einem normalen Praktikum bewirbt man sich für ein Land wie Spanien, Frankreich, England, Irland, die Türkei, Polen, sagt Arbeit und Leben in welchem Ausbildungsberuf man ist und was man sich so für ein Praktikum vorstellt. Die haben dann Auslandskorrespondenten, die einem einen Praktikumsplatz und eine Unterkunft suchen. Arbeit und Leben bucht auch den Flug und versucht einen Sprachkurs für einen zu organisieren. Sie kümmern sich um alles. Das Geld für das Stipendium bekommt man somit nicht selber in die Hand, sondern man bekommt das fertig organisierte Praktikum. Wenn man dann im Ausland ist, kümmert sich der Auslandskorrespondent ein bisschen um einen und schaut, dass alles gut läuft.
  • Praktikum als Freemover – Bei einem Praktikum als Freemover muss man alles selber organisieren. Man bekommt das Geld auf das Konto überwiesen. Zunächst 85 Prozent des Betrags, und wenn man wieder da ist, den Rest. Der Betrag, den man bekommt, wurde von der EU für das jeweilige Land errechnet. Wenn man nach Spanien fährt, kriegt man weitaus weniger als wenn man nach Finnland fährt. Das liegt ganz einfach daran, dass in Finnland alles viel teuerer ist. Man braucht so oder so das ganz Geld. Es ist eher knapp bemessen, sodass man davon nicht Party machen kann. Als Freemover ist man ganz auf sich alleine gestellt. Man bucht den Flug selber, muss sich eine Unterkunft suchen und natürlich – ganz wichtig – den Praktikumsplatz. Dafür hat man natürlich mehr Handlungsspielraum. Man kann entscheiden, ob man ein Zimmer in einer Familie mietet, ein Zimmer in einer WG oder sich ein eigenes Apartement nimmt, oder sogar in der Jugendherberge oder im Hotel übernachtet. Man kann schauen, ob man einen Sprachkurs machen möchte oder nicht. Man entscheidet, zu welcher Zeit und mit welcher Airline man fliegen möchte. Als Freemover muss man jedoch in der Lage sein, Geld vorzulegen. Zumindest war es bei mir so, dass ich erstmal alles selber bezahlen musste, bis dann das Geld eingegangen ist. Mit der Flugbuchung und dem Zimmer konnte ich ja nicht so lange warten. Außerdem kriegt man den Restbetrag (15%) auch, wie erwähnt, erst nach dem Praktikum gezahlt. 

Wenn man nach Spanien oder so geht, kann man es sich aussuchen, ob man Freemover sein möchte oder nicht. Wenn man in ein Land wie Finnland geht, in dem Arbeit und Leben keine Auslandkorrespondenten hat, muss man freemoven.

Wie bewerbe ich mich?

Zunächst muss man ein Kontaktformular ausfüllen, um dann das Bewerbungsformular bei Arbeit und Leben ausfüllen zu können. Das Bewerbungsformular muss man komplett in Englisch ausfüllen. Es hört sich aber schlimmer an, als es ist. Wenn man mal eine Vokabel nicht weiß, gibt man sie eben bei leo.org ein. Wenn das Englisch ganz schlecht ist, sodass man kaum einen Satz zusammenkriegt, kann man sich ja auch jemanden neben sich setzen, der einem hilft. Allerdings ist es für die Organisation gut zu sehen, was man kann. Wenn man sich also einen Muttersprachler zur Hilfe holt, ist es wenig authentisch. Es ist nicht schlimm, wenn nicht alles einhundertprozentig richtig ist. Es geht ihnen mehr darum, einen Eindruck von dem Bewerber zu bekommen. Zu schauen, was ist das für ein Typ. Hat derjenige sich wirklich Gedanken darum gemacht und ist der ganzen Sache im Ausland gewachsen. Wenn man die Fragen beantwortet, sollte man einfach authentisch sein. Man kann auch schreiben, dass man schon ein wenig Angst hat, aber es trotzdem machen möchte, um sich dieser Herausforderung zu stellen. Alles ist möglich.

Hier findet man ganz viele Infos und das Formular für die erste Kontaktaufnahme (alles weitere schicken die einem dann): 

www.berlin.arbeitundleben.de

Das möchte ich noch mal sagen: Wenn man dieses Formular bekommt, mit dem man sich dann richtig bewirbt, gibt es einen Teil, in dem man viele Aussagen findet, über die sprachliche Entwicklung und was für persönliche und soziale Fortschritte man sich erhofft. Man muss dann auf einer Skala anklicken: „Ist mir wichtig“, „Ist mir sehr wichtig“…

Bei diesem Teil geht es auch viel um Selbsteinschätzung. Das heißt, wenn da steht, das möchte ich nach meinem Auslandspraktikum können und man kann kaum Englisch und klickt dann an ich möchte komplizierten Sachverläufen folgen können und mich fließend verständigen können, dann ist das sehr unrealistisch. Also bei diesem Teil geht es um Selbsteinschätzung und nicht darum, so viel wie möglich anzuklicken, um einen guten Eindruck zu hinterlassen. Man kann auch mal gar nichts anklicken, weil es einem wirklich nicht wichtig ist. Das gibt keinerlei Negativpunkte bei der Bewerbung. Das weiß ich, weil ich direkt mit den Leuten gesprochen habe und sie das ausdrücklich betont haben. 

Was ich jetzt hier genau meine, werdet ihr sehen, wenn ihr den Link für das Formular habt und euch da durchklickt.

Wie viel Zeit braucht man für die Bewerbung?

Wie viel Zeit es braucht, das Bewerbungsformular auszufüllen, kann ich schwer sagen. Ich habe es immer so etappenweise gemacht. Es kommt gut an, wenn man sich nicht zu lange Zeit lässt. Die können sich nämlich immer bei dem eigenen Formular einklicken und sehen, wie viel man schon ausgefüllt hat. Wenn man also den Link hat und nach drei Wochen immer noch gar nichts drin steht, dann fragen die schon mal nach, was los ist. Ich weiß auch nicht, ob es gut ankommt, wenn man da ein halbes Jahr dran sitzt. Wenn man früh dran ist mit der Bewerbung, ist es, denke ich, schon okay, wenn man es erst nach einem Monat fertig abschickt. So kann man immer mal daran arbeiten, wenn man Zeit und Lust hat. 

Das Formular ist auf Englisch, damit auch die Leute des Praktikumsbetriebs sich das Geschriebene ansehen können, damit sie auch ein bisschen Einblick kriegen, was man so in der Schule gemacht hat und was man sich erhofft und denkt.

Wenn ihr Fragen habt, während ihr das ausfüllt, könnt ihr auch immer die Frau Kalisch von Arbeit und Leben kontaktieren, per Mail oder telefonisch. Das ist kein Problem. Die sind da ganz locker die Leute. 

Mit der ganzen Bewerbungsprozedur sollte man nicht zu knapp anfangen, da es schon ein bisschen dauern kann bis man den Bescheid erhält, ob man das Stipendium nun bekommt oder nicht. 

Wer hilft mir bei der Vorbereitung?

Wie gesagt, Frau Kalisch von Arbeit und Leben kann man immer anrufen. Dann muss man noch für einen Tag nach Berlin fahren. Die wollen einen nämlich persönlich sehen, bevor sie den Vertrag mit dir abschließen. Die Reisekosten bekommt man bis 100 Euro erstattet. Außerdem zahlen Sie einem das Mittagessen am Seminartag. Der Tag geht von 10-18 Uhr. Und wenn man übernachten möchte, kann man das auch kostenlos. 

Die Fahrtkosten muss man aber auch erstmal vorlegen. Anschließend muss man ein Zugticket oder eine Tankquittung oder was auch immer einschicken und kriegt dann die Kosten erstattet (wie gesagt: bis zu 100 Euro).

An dem Tag in Berlin geht man am Vormittag zunächst den Vertrag durch. Man bekommt erzählt, was darin steht, was passiert wenn man während des Praktikums abbricht. Dann kriegt man nämlich das Geld des Stipendiums nur noch prozentual und muss den Rest doch selber tragen. Man verpflichtet sich mit dem Vertrag auch dazu, dass man etwas für Arbeit und Leben nach dem Praktikum ausfüllen muss. Das ist aber nicht viel. Man kriegt dazu in Berlin alle Infos.

Am Nachmittag macht man dann ein paar Spielchen, die einem die Herausforderungen im Ausland noch mal klar machen sollen. Es geht dabei z.B. darum, dass es auch kulturelle Unterschiede gibt, die möglicherweise zu Missverständnissen führen können. Darauf wird man noch mal sensibilisiert. Das ist alles nicht schlimm. Man muss sich das Praktikum aber so oder so zutrauen. Dieses Vorbereitungsseminar ersetzt nicht den eigenen Willen. Es ist mehr eine Prozedur, die man durchläuft. So habe ich es zumindest empfunden. Es ist interessant und hilft, aber es nimmt einem nicht jegliche Angst. Schön ist, dass man noch mal andere Leute aus Deutschland trifft, die sich in der gleichen unsicheren Situation befinden, wie man selbst. 

Zu dem Seminar in Berlin wird man eingeladen, wenn eigentlich so gut wie feststeht, dass man das Stipendium bekommt. Dennoch können sie sich vorbehalten, einem das Stipendium doch nicht zu geben, wenn sie einen sehen und das Gefühl haben, das geht total schief. So etwas ist aber erst einmal vorgekommen.

Ja, das war es eigentlich...

Nützliche Links:

Für die Flugbuchung: www.swoodoo.de
Für die Unterkunft: www.airbnb.de
Für die Fahrt nach Berlin: www.bahn.de

Für weitere Infomationen zum Thema Auslandsaufenthalt wendet euch an Ingrid Reukauf, Lehrerin an der Willy-Brandt-Schule.


Willy-Brandt-Schule - Carl-Franz Straße 14 - 35392 Gießen - Tel. 0641.2646